Dienstag, 3. November 2015

Begabtenförderung in der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover

Der gesamte Artikel inklusive des Erfahrungsberichtes eines Frühstudierenden ist hier nachzulesen:

Brausewetter, K. (2015). Zu Besuch in der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. KulturNetz, 3, 8-9. Verfügbar unter https://nds-bremen.verdi.de/++file++562df719aa698e6604000056/download/KulturNetz%203_2015.pdf [11.12.2015]

Samstagmittag, 13:00 Uhr: Mehrere junge Leute unterhalten sich mit ihrem Professor über Charly Chaplin, Igor Strawinsky, Pablo Picasso und Bertold Brecht. Stilrichtungen wie Impressionismus, Kubismus, Surrealismus fallen. Vor meinem geistigen Auge entsteht das Paris der 20er Jahre.
Ich bin zu Gast im Kurs „Dirigierlehre“ im Frühstudium für musikalisch Hochbegabte bei Prof. Brauß an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH). Hier erfahre ich etwas über das Dirigat als Musterbildung. Ich erhalte einen Einblick in europäische Kunstgeschichte im Spiegel der politischen und ideengeschichtlichen Verhältnisse. Und ich bekomme einen sehr positiven Eindruck von einer Handvoll hoch motivierter, junger Musiker im Alter von 15 bis 18 Jahren.
Sie alle sind als Frühstudierende am Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter (IFF) eingeschrieben. Das Ziel des speziell für junge musikalische Talente gegründeten Studiengangs ist die Erziehung zu einer starken und vielseitigen Musikerpersönlichkeit sowie die Stärkung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Das Studium beginnt meist mit 13 Jahren. Vor dem Studienbeginn steht -ebenso wie bei den erwachsenen Bewerbern- eine umfangreiche Aufnahmeprüfung. Geprüft werden folgende drei Hauptfächer:
A: Instrument, Gesang oder Komposition
B: Musiktheorie und Gehörbildung
C: Rhythmische Erziehung
Dabei gilt es für die angehenden Frühstudierenden, sowohl ihr aktuelles musikalisches und technisches Können, als auch ihr überdurchschnittlich hohes Begabungspotenzial unter Beweis zu stellen.
Einmal aufgenommen in den Studiengang erhalten sie regelmäßig am Wochenende Unterricht in ihren drei Hauptfächern. Die Studierenden, die ich bei meinem Besuch kennen lerne, befinden sich im 6. Semester. Sie schließen also ihr Frühstudium bald ab. Sie sind dann drei Jahre regelmäßig am Wochenende in die Hochschule nach Hannover gekommen, manche von weit her, alle neben dem regulären Schulbesuch.
Ein Studierender aus meinem Kurs kommt jedes Wochenende aus Dortmund angereist, aber just an diesem Tag hat er bereits Zwischenstation in Hamburg gemacht, wo er beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" auftrat (und den 1. Preis gewann). Angekommen in Hannover geht es weiter mit dem Unterricht im IFF. Dazu kommt für diesen jungen Mann einmal im Monat Unterricht bei seinem Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. All dies als Schüler einer 9. Klasse, 15-jährig und hoch motiviert.
Warum nehmen die jungen Musiker all dies auf sich? Sie können sich Studienleistungen aus dem Frühstudiengang anrechnen lassen auf spätere Studienleistungen an der Hochschule in Hannover. Sie werden hervorragend ausgebildet zu musikalischen Persönlichkeiten, denen als Ergänzung zum umfassenden Unterrichtsangebot zahlreiche Gelegenheiten zu öffentlichen Auftritten geboten werden und natürlich eine Umgebung, in der diese Jugendlichen mit ihren Interessen und Fähigkeiten ganz normal sind. All dies führt zu dem Ausspruch eines Teilnehmers: „[Das Frühstudium am IFF:] die größte Stütze meines Lebens“!

Hintergrundinformationen 
Das Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter (IFF) wurde 2000 an der Hochschule für Musik, Theater und Medien (HMTMH) in Hannover gegründet. Das Besondere an ihm ist, dass es sich dabei sowohl um einen eigenständigen Studiengang handelt („Frühstudium“) als auch um ein eigenes Institut an der HMTMH. Die knapp 30 Jugendlichen im Frühstudium bilden drei Jahrgänge.
In ihrem Hauptfach A (Instrument, Gesang oder Komposition) haben sie Anspruch auf 90 Minuten Einzelunterricht bei herausragenden Hochschullehrern der HMTMH. In den Hauptfächern B (Musiktheorie und Gehörbildung) und C (Rhythmische Erziehung) ist der Unterricht im Umfang von 90 bzw. 60 Minuten in Kleingruppen organisiert. Im dritten Studienjahr erhalten die IFF-Studierenden im Hauptfach C Dirigierlehre, auch im Umfang von 90 Minuten. Während der jährlich stattfindenden einwöchigen Sommerakademie erhalten sie ein zusätzliches Unterrichtsangebot in Improvisation, Komposition, Schauspiel, Chor oder Körper- und Entspannungstechniken.
Hinzu kommen die acht- bis zwölfjährigen Schüler der Vorklasse VIFF sowie die sechs- bis achtjährigen Kinder der Grundstufe GrIFF.
Weitere Informationen unter: http://www.iff.hmtm-hannover.de/de/start/

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