Mittwoch, 28. September 2016

Was braucht mein Kind? Eine passende schulische Umwelt in der Sekundarstufe I


Wie im Juli im Blogpost Wie tickt mein Kind? Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen angekündigt, hier der erste Folgeartikel dazu, wie du für dein Kind ein passendes Umfeld finden kannst/mit aufbauen kannst. Heute geht es um ein passendes schulisches Umfeld in der Sekundarstufe I.

Ich sehe da drei verschiedene Ansatzpunkte:

  • die Wahl der passenden Schulart 
  • die Wahl der Schule mit passenden Unterrichtsangeboten 
  • die Wahl anhand von für das Kind passenden Kriterien!
1 Verschiedene Schularten
Mit dem Wechsel zur weiterführenden Schule haben Eltern in den meisten Bundesländern Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Schularten. Hier gibt es eine aktuelle Übersicht über die Grundstruktur des deutschen Bildungswesens.

In Niedersachsen gibt es in der Sekundarstufe I, die sich an die Grundschule (Primarstufe) anschließt, folgende Schularten:
  • Hauptschule 
  • Realschule 
  • und Gymnasium. 
Daneben gibt es Schulen mit mehreren Bildungsgängen, die mehrere Schularten zusammenfassen:
  • Schularten mit zwei Bildungsgängen in Niedersachsen (Kombination von Haupt- und Realschule):            -Oberschule ohne gymnasiales Angebot 
  • Schularten mit drei Bildungsgängen in Niedersachsen (Kombination von Hauptschule, Realschule und Gymnasium):  -Oberschule mit gymnasialem Angebot 
                              -Kooperative Gesamtschule 
                              -Integrierte Gesamtschule
Darüber hinaus gibt es verschiedene Förderschularten und Privatschulen z.B. mit konfessionellem Hintergrund oder besonderem pädagogischen Profil (u.a. Montessori-Schulen, Freie Waldorfschulen).

Die einzelnen Schularten unterscheiden sich in ihren Zielsetzungen:

  • Die Hauptschule vermittelt eine „grundlegende allgemeine Bildung“ (KMK 2014, 7),
  • die Realschule eine „erweiterte allgemeine Bildung“ (ebd.) und
  • das Gymnasium eine „vertiefte allgemeine Bildung“ (ebd.).
Am Gymnasium muss spätestens ab der 7. Klasse eine zweite Fremdsprache unterrichtet und gelernt werden. An anderen Schularten kann sie als Wahlpflichtfach angeboten werden. Dies trifft meist auf Real- und Gesamtschulen zu.

Die Schulen vergeben am Ende der Sekundarstufe I folgende Schulabschlüsse:

In Niedersachsen nach dem 9. Schuljahrgang:
  •     den Hauptschulabschluss,
  •     den Abschluss der Förderschule im Förderschwerpunkt Lernen.
und nach dem 10. Schuljahrgang:
  •     den Sekundarabschluss I - Hauptschulabschluss,
  •     den Sekundarabschluss I - Realschulabschluss,
  •     den Erweiterten Sekundarabschluss I.
Hiermit hat man schon mal eine Auswahl an verschiedenen Schularten.
 
2 Spezielle Unterrichtsangebote

An einigen Schulen gibt es spezielle Unterrichtsangebote, die den Interessen einzelner begabter Schüler entsprechen. Die hier vorgestellten Angebote wenden sich nicht speziell an hochbegabte Schüler, sondern stehen prinzipiell allen interessierten und leistungsfähigen Schülern offen. Sie werden hier nach Fächergruppen aufgeführt und sind nicht allumfassend.

2.1 Fremdsprachen
2.1.1 Sprachenangebot
Weiterführende Schulen bieten teilweise unterschiedliche Fremdsprachen an. Während Englisch wohl an allen weiterführenden Schulen in Deutschland unterrichtet wird, bieten humanistische Gymnasien / Schulen mit altsprachlichem Zweig Latein und Altgriechisch als Unterrichtsfächer an. Teilweise setzt der Unterricht in diesen Sprachen früher ein als an anderen weiterführenden Schulen.

So ein Frühfremdsprachenunterricht gibt es an den meisten Grundschulen im Fach Englisch, manchmal auch in anderen Fremdsprachen. Aber auch an weiterführenden Schulen gibt es teilweise einen Frühfremdsprachenunterricht in modernen Fremdsprachen: beispielsweise als Französischunterricht ab Klasse 5.
Manche Schulen bieten die Möglichkeit, eine dritte oder sogar vierte Fremdsprache zu erlernen, im Unterricht oder im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft.

Schüleraustausch oder die Unterstützung bei einem Schuljahr im Ausland sind Möglichkeiten für Schüler, Land und Leute im Zielland kennen zu lernen. Manche Schulen bieten hier Unterstützung, durch Informationsveranstaltungen oder sogar durch Kooperationen und Partnerprogramme.
Brieffreundschaften mit Partnerschulen, Projekte im Rahmen von Erasmus+ Schulbildung oder von Europaschulen dienen ebenso diesem Zweck wie das Vorbereiten auf die Teilnahme an zertifizierten Sprachprüfungen und Wettbewerben.

2.1.2 Bilingualer Unterricht
Ein ganz besonderes Angebot, auch für fremdsprachenbegeisterte Jugendliche, ist bilingualer Unterricht. Dies ist Unterricht in einem Sachfach, z.B. Biologie, in dem nicht vorrangig auf Deutsch unterrichtet wird, sondern in der eine Fremdsprache als vorherrschende Unterrichtssprache Verwendung findet. Im Gegensatz zum reinen Fremdsprachenunterricht in den lebenden Sprachen (z.B. Englisch, Französisch, Spanisch, etc.) erleben die Schüler die Fremdsprache als Unterrichtssprache, als Kommunikationsmittel, um sich über Unterrichtsinhalte mit dem Lehrer und den Mitschülern auszutauschen.

Die Unterrichtsinhalte haben mit dem Sachfach zu tun, sie entsprechen denen des deutschsprachigen Sachfachunterrichts, d.h. die Schüler behandeln z.B. im englischsprachigen bilingualen Geschichtsunterricht die gleichen Inhalte wie die Schüler der gleichen Klassenstufe im rein deutschsprachigen Geschichtsunterricht.

Gymnasien mit zweisprachig deutsch-französischem Zug gibt es mittlerweile in allen Bundesländern. Hier gibt es weitere Hinweise und ein Verzeichnis der Mitgliedsschulen!

2.2 MINT
MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Der Umfang des Unterrichts in Mathematik und Naturwissenschaften hängt weitgehend von der Stundentafel der besuchten Schulart im jeweiligen Bundesland ab. Manchmal bieten einzelne Schulen verstärkten Unterricht in diesen Fächern an.

Für informatikbegeisterte Schüler bietet es sich an, zu erkunden, ob und ab welcher Klassenstufe dieses Fach unterrichtet wird. In der Sekundarstufe I wird manchmal der Medienführerschein „Cyber-Licence“ erworben. Wenn Informatik nicht als eigenständiges Fach unterrichtet wird, gibt es manchmal eine entsprechende Arbeitsgemeinschaft, eventuell mit der Möglichkeit, den Europäischen Computerführerschein ECDL zu erwerben.
Ähnliches gilt für das Fach Technik an Gymnasien.

MINT-Förderung kann auch durch die Teilnahme an einschlägigen Wettbewerben erfolgen. Diese können an manchen Schulen in Arbeitsgemeinschaften vorbereitet werden.

2.3 Gesellschaftswissenschaften
Im Bereich Gesellschaftswissenschaften gibt es an einigen Schulen Unterstützung zur Teilnahme an einschlägigen Wettbewerben im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften. Angebote im sozialen Bereich wie Streitschlichter, Schulsanitätsdienst, soziale Projekte oder Model United Nations finden ebenfalls oft in diesem Rahmen statt. Sozialpraktika, Schülerfirmen oder Aktivitäten als UNESCO-Projektschulen sind teilweise in den Unterricht eingebettet.

2.4 Musik, Kunst, Kultur und Sport
Im Bereich Muttersprache / Literatur unterstützen manche Schulen die Teilnahme an einschlägigen Wettbewerben. Einige Schulen führen Autorenbesuche und eigene Lese- und Schreibwettbewerbe durch. An vielen Schulen gibt es Schülerzeitungen und Jahrbücher, die von Schülern gestaltet werden.
Im künstlerisch-sportlichen Bereich gibt es an vielen Schulen entsprechende Arbeitsgemeinschaften, in denen teilweise auch auf einschlägige Wettbewerbe vorbereitet wird.

Manche Schulen haben auch Kooperationen mit Musikschulen / Musikhochschulen, Sportvereinen, Betrieben, Museen, Theatern, Rundfunksendern und Zeitungen. Für Leistungssportler sind Partnerschulen des Leistungssports interessant.

2.5 Allgemeine Besonderheiten
Teilweise haben Schulen auch besondere Angebote wie Bläserklasse, Europaklasse, Musikzweig, Profilunterricht, besondere Klassenfahrten.

Manche Schulen bieten diese Aktivitäten als offene oder gebundene Ganztagsschulen an.

Hier lassen sich verschiedene, für das eigene Kind passende Unterrichtsangebote auswählen.

 
3 Kriterien für den Wechsel zur weiterführenden Schule 

In einem Elterngesprächskreis habe ich zusammen mit den Teilnehmern Kriterien für einen Wechsel zur weiterführenden Schule erarbeitet. Dabei wurden folgende Punkte genannt:
 
Die Kriterien lassen sich folgenden Oberthemen zuordnen:
  • Haltung der Lehrkräfte
  • Angebote der Schule
  • Individuelle Förderung in der Schule
  • Klassengröße
  • Infrastruktur
  • und Entfernung der Schule vom Wohnort
Eine geringe Entfernung der Schule vom Wohnort kann möglicherweise den Austausch mit Mitschülern durch kürzere Wege positiv beeinflussen.

Die konkreten Kriterien für den Wechsel zur weiterführenden Schule sollten individuell passend für das eigene Kind bestimmt werden!

4 Literatur
KMK (2014). Vereinbarung über die Schularten und Bildungsgänge im Sekundarbereich I. Verfügbar unter http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1993/1993_12_03-VB-Sek-I.pdf

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